Warum der Lünopoli-Bürgermeister keine Steuern senkt und dennoch beliebt ist

„Hey Bürgermeister, senk mal die Steuern“, ruft ein junger Einwohner der Kinderferienstadt Lünopoli dem elfjährigen Theo auf den Fluren des Förderzentrums Nord an der Moltkestraße entgegen. Theo ist der gewählte Bürgermeister der Ferienstadt, die alle zwei Jahre für zwei Wochen stattfindet. Und als oberster Repräsentant führt er gerade zusammen mit seinem Minister der Finanzen und zwei Stadtführerinnen einen offiziellen Gast – den Landtagsabgeordneten Rainer Schmeltzer – über das Gelände „seiner“ Stadt. Souverän dreht sich das elfjährige Stadtoberhaupt um und sagt in ruhigem Ton: „Ich erkläre dir das später!“ Und der junge „Lüni“ zieht zufrieden von dannen.

Mehrere hundert Kinder nehmen auch in diesem Jahr wieder teil am Ferienprojekt „Lünopoli“ und werden zu Einwohnern ihrer eigenen Stadt, in der sie das Sagen haben und das Zusammenleben organisieren. Es gab Bürgermeisterwahlen und Wahlen zum Stadtrat. Es gibt ein Jobcenter, einen Friseur, eine Bank, ein Freibad, eine Holzwerkstatt, eine Zeitungsredaktion und vieles mehr. Es gibt mit dem „Lüni“ sogar eine eigene Währung und eben auch Steuern.

Theo ist der erste Bürgermeister Lünopolis, der die Steuern nicht gesenkt hat. Und er hat gute Gründe dafür, wie er dem Politiker Schmeltzer verriet. Man müsse unerlässliche Dienste wie Polizei, Rathaus, Krankenstation oder Feuerwehr auch bezahlen können. Sollte sich aber herausstellen, dass das Geld reicht, wäre aber auch der Lünopoli-Bürgermeister bereit, Steuern zu senken, wie er sagt. Seiner Beliebtheit tut das keinen Abbruch. „Er erklärt, wofür die Steuern gebraucht werden“, zeigte sich der Landtagsabgeordnete Schmeltzer begeistert während seiner Führung durch die Stadt.

„Lünopoli ist mehr als nur eine zweiwöchige Spielerei. Mit Spaß, Leidenschaft und auch Ernsthaftigkeit erleben die Kinder hier wie das Zusammenleben und Arbeitsteilung in unserer Gesellschaft gelingen“, sagt Schmeltzer, der auch das Engagement der rund 80 ehrenamtlichen und hauptamtlichen Helfer würdigte. „Schade, dass es nur alle zwei Jahre stattfindet.“

Zum Abschluss der Führung durfte sich Schmeltzer noch in das Goldene Buch von Lünopoli eintragen.