Engagiert gegen Rassismus und Rechtsextremismus mit der Kolpingsfamilie

Susanne Grünewald (r.) und Rainer Schmeltzer Bild: Steven Roch

„Hören wir, wie wir unsere Interessen ausleben und nicht von den rechtsradikalen und rassistischen Gesinnungen provozieren und beeinflussen lassen. Genießen wir die Vielfalt und Freiheit Lünens – in allen Religionen und Nationalitäten“, so Susanne Grünewald. Die Vorsitzende der Kolpingsfamilie Herz-Jesu Lünen lud am Freitagabend ins Pfarrheim Herz-Jesu an der Lange Straße in Lünen ein. Der Landtagsabgeordnete Rainer Schmeltzer, Mit-Initiator und Koordinator des überparteilichen Lüner Aktionskreis gegen Rechtsextremismus, referierte über den Kampf gegen rechtsextremistische und rassistische Tendenzen in der Gesellschaft und diskutierte mit den Anwesenden. Das Interesse war groß.

Parteien, Vereine, Kirchen, Moscheen, Schulen, Gewerkschaften, Betriebe, Unternehmen und viele weitere Institutionen und Organisationen aus Lünen kooperieren seit 2011 im Lüner Aktionskreis gegen Rechtsextremismus. Sie alle vereint ein gemeinsames Ziel: Lünen soll eine weltoffene Stadt bleiben, in der es keinen Platz für menschenverachtende, fremdenfeindliche, nationalistische und rassistische Aktionen und Ideologien geben darf.

Lüner Aktionskreis gegen Rechtsextremismus

Rechtsextreme Schmierereien und ein genehmigter Nazi-Aufmarsch 2011 waren der Auslöser für die Entstehung des Aktionskreises, der seither stetig gewachsen ist und stets mit einer großen Resonanz aus der Lüner Bevölkerung Kundgebungen für eine Stadt der Vielfalt und Gegendemonstrationen gegen Nazi-Aufmärsche veranstaltet hat. Im Rahmen der interkulturellen Woche am 28. September 2012 unterzeichneten zahlreiche Lüner Institutionen und Organisationen die „Lüner Erklärung“. (Die Erklärung im Wortlaut lesen Sie hier).

„All das ist nur möglich, weil alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Parteienvertreter haben sich gemeinsam für unsere demokratischen Grundwerte Seit an Seit ausgesprochen. Parteipolitische Unterschiede gibt es bei unserem gemeinsamen Vorgehen gegen Rechts nicht und darauf können wir stolz sein“, sagt Schmeltzer. Doch er warnte seine Zuhörer im Pfarrheim Herz-Jesu auch: „Rechtsextreme Tendenzen in unserer Gesellschaft nehmen zu. Nicht erst seit gestern. Rechtes Gedankengut, dem in der Regel die Fakten fehlen, wird gerne mal am Stammtisch, auf der Arbeit, auf dem Sportplatz oder auch zu Hause zugestimmt oder gar weiter verbreitet.“

Wegdrehen? Ignorieren? Mund aufmachen!

Doch wie reagiert man? Wegdrehen, Mund halten, ignorieren? Schmeltzer: „Hatten wir das nicht schon einmal? Ich will später nicht verschämt auf den Boden blicken müssen. Ich will heute sofort den Mund aufmachen und mich den rechten Brandstiftern entgegenstellen. Und dazu rufe ich weiter auf: lasst den ewig gestrigen keine Plattform. Lasst keine fremdenfeindlichen, rassistischen und menschenverachtenden Sprüche in eurer Gegenwart zu. Und es gibt sie! Wir müssen auch weiterhin wachsam sein!“

Schmeltzer fordert, sich rechter Hetze entgegenzustellen – besonders auch im Internet. In den „sogenannten“ sozialen Medien würde täglich eine verlogene, bewusste Hetze mit Falschinformationen betrieben. Schmeltzer riet dazu, vor dem Liken und Teilen bei Facebook, sich erst einmal den Absender genauer anzusehen. „Rechte Kommentare gibt es nicht mehr nur unter Pseudonymen, sondern auch unter Echtnamen. Ich bitte Sie, ja ich fordere Sie und uns alle auf: Schauen Sie sich diese Kommentare und insbesondere die Absender genau an. Sie sind leider auch aus unserer Mitte. Sprechen Sie sie an. Machen Sie diese Art der Hetze publik.“

Susanne Grünewald von der Kolpingsfamilie zeigte am Freitag direkt ihre Bereitschaft, sich stärker im Lüner Aktionskreis gegen Rechtsextremismus einzubringen. Noch in diesem Frühjahr soll es ein Treffen anlässlich der anstehenden Europawahlen. „Was in siebzig Jahren in Europa aufgebaut wurde, dürfen wir jetzt nicht den Rechten zur Zerstörung des europäischen Gedankens überlassen“, soweit waren sich am Freitag alle einig.