Kein NRW-Ticket in Sicht: Mitte-Rechts-Regierung lässt Azubis im Stich

Bild: Leonid ANDRONOV;

Das Ausbildungsjahr hat begonnen, doch die Auszubildenden in Nordrhein-Westfalen haben trotz eines Versprechens des Ministerpräsidenten immer noch kein Azubi-Ticket. Azubis müssen teils tief in die Tasche greifen, um täglich zur Berufsschule und zum Arbeitsplatz zu gelangen. Dass die schwarz-gelbe Landesregierung bei der Einführung eines landesweiten Azubi-Tickets bremst, ärgert den Landtagsabgeordneten Rainer Schmeltzer (SPD). Gerade für den Kreis Unna sei das fatal.

Mehr als ein Jahr ist es her, dass Ministerpräsident Armin Laschet die Einführung eines Azubi-Tickets nach Vorlage der vorherigen Landesregierung in NRW angekündigt hat. „Zum Start des neuen Ausbildungsjahres macht sich Enttäuschung breit. Beim Thema Azubi-Ticket herrscht Funkstille“, sagt Schmeltzer. Trotz sprudelnder Steuereinnahmen werden soziale Errungenschaften eher gekürzt als fortentwickelt. So wurde der SPD-Antrag, 20 Millionen Euro für das Azubi-Ticket vorzusehen, von der Mitte-Rechts-Koalition im Landtag abgelehnt. „Es ist völlig unklar, ob und wann ein Ticket für Azubis kommt, geschweige denn wie teuer es wird“, so Schmeltzer. „Die Verhandlung mit den Verkehrsverbünden laufen bisher ins Leere.“

Mehr als 100 Euro bis nach Dortmund

Hundertausende Auszubildende werden auch 2018/2019 zu wesentlich teureren Konditionen fahren müssen als Studierende, die ein NRW-weit gültiges Semesterticket besitzen. Ein Lehrling aus Lünen zum Beispiel zahlt 46 Euro monatlich, wenn er Ausbildungsplatz und Berufsschule in Lünen findet. Und dann darf er nur im Stadtgebiet fahren. Ein Lüner Azubi, der nach Unna muss, zahlt 75 Euro monatlich. Wenn er seine Ausbildungsstätte in Dortmund hat, müsste er monatlich 109 Euro berappen. Nach Münster sind sogar 187 Euro fällig. „Das ist nicht bezahlbar bei einer durchschnittlichen Ausbildungsvergütung. Da überlegt man sich doch dreimal, eine Ausbildungsstelle überhaupt anzunehmen. Da hat Laschet im Wahlkampf etwas versprochen, was er nicht hält oder halten will“, sagt Schmeltzer.

Mitte-Rechts-Regierung löst Versprechen nicht ein

„Von einem landesweiten Ticket, das über die Grenzen von Verkehrsverbünden und Verkehrsgemeinschaften hinweg genutzt werden kann, ist man meilenweit entfernt. Dabei ist es doch gerade das, worum es geht und was besonders für unseren Kreis wichtig ist“, sagt Schmeltzer und weiter: „Die NRW SPD hatte die Einführung von landesweit gültigen und zahlbaren Azubi-Tickets für 2018 fest im Plan. Wir fordern die Landesregierung auf, nun dem Versprechen, das sie übernommen hat, endlich nachzukommen, die Verkehrsverbünde zu bezuschussen und den Ausbau der ÖPNV-Infrastruktur voranzutreiben. Planungskosten in Höhe von 5 Mio. Euro im Haushaltsplanentwurf sind da eine Farce. Taten müssen kommen. Die Azubis sind jetzt auf Hilfe angewiesen – nicht erst in ein paar Jahren.“